Schwitzen, Hyperhidrosis
Krankhaft starkes Schwitzen, medizinisch Hyperhidrosis oder Hyperhidrose (hidros = das Wasser) kann Menschen soziale und seelische Probleme bereiten. Wir klären hier Ursachen der Hyperhidrose und welche Therapien gegen Schwitzen (Iontophorese, Botox, Aluminiumchlorid, Kärrettage, ETS) helfen.
Welche Funktionen erfüllt das Schwitzen?
Die wichtigste Funktion ist die Regulation der Körpertemperatur. Wir schwitzen, wenn wir uns verausgaben, quasi heiß laufen, in der Sauna, um Fieber zu senken und in der Sonne. Das Wasser verdampft bei Hitze auf der Haut und kühlt sie. Schwitzen wird über den sympathischen Nervenstrang gesteuert. Durch werden auch die Angriffs -, Flucht - und Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Dies erklärt, dass uns Angst schwitzen lässt.
Als angenehmen Effekt sorgt das Schwitzen für eine Entschlackung des Körpers. Sogar kommuniziert wird über Schweiss, allerdings unbewusst. Ob wir jemanden gut riechen können hängt von den Duftstoffen aus den Schweisdrüsen ab.
Dieser ist sonst geruchlos, erst Hautbakterien sorgen durch seine Zersetzung für unangenehmen Geruch.
Jeder Mensch schwitzt anders, je nach Veranlagung. Mancher läuft trocken einen Marathon, während andere schon beim Spazieren gehen anfangen zu schwitzen.
Wann wird aus starkem Schwitzen Hyperhidrose?
Wenn der Leidensdruck durch das Schwitzen dem Menschen zu groß wird. Die medizinische Wissenschaft fordert 100 ml Schweissbildung unter der Achsel in 5 Minuten.
Das zeigt, wie stark die Schweissbildung bei Hyperhidrose - Kranken ausgeprägt ist. Schauen sie am Wasserhahn, wie rasch Wasser in ein Glas tropfen muß, um in 5 Minuten auf 100 ml zu kommen. Dann sehen sie, dass der Schweiss im wahrsten Sinne des Wortes fliesst.
Dies geschieht mehr oder weniger unabhängig von äußeren Gegebenheiten. Stress und die Angst verschwitzt zu sein, können die Neigung zum Schweissausbruch noch verstärken. Ein Teufelskreis.
Menschen mit Hyperhidrose sind fast immer nass geschwitzt. Verständlich, dass sie soziale und seelische Probleme bekommen. Diese sind aber nicht Auslöser sondern Resultat der Krankheit. Von Mitmenschen wird das oft anders wahrgenommen, da die Krankheit unbekannt ist. Wer schwitzt, ist ängstlich oder unsicher. Fatal, dass die lokale Hyperhidrose zu 60% an Hand oder Fußflächen vorkommt. 40 sind an den Achselhöhlen betroffen, 10% an der Stirn.
Welche Körperzustände und Krankheiten lassen mich schwitzen?
Für die erwähnte lokale oder essentielle Hyperhidrose wurde noch keine Ursache gefunden. Der Schweiss bricht grundlos an begrenzten Arealen des Körpers aus. Die Botox Behandlung hat bei dieser Form von starkem Schwitzen große Erfolgsaussichten.
Generalisierte Hyperhidrose, also starkes Schwitzen am ganzen Körper kommen vor:
- in den Wechseljahren (Klimakterium)
- bei Schilddrüsenüberfunktionen (Hyperthyreose)
- bei Unterzuckerung (Hypoglykämie, besonders bei Diabetikern)
- bei anderen hormonellen Erkrankungen (z.B. Hypophysenunterfunktion, medizinisch Hypopituarismus)
- bei Medikamenteneinnahme (Hormone, Parasympathomimetika, Psychopharmaka, Betablocker, Kortikosteroide, etc.)
- bei Infekten
- bei Malignomen und anderen Tumoren, aber auch Kollagenosen kommt es häufig zu Nachtschweiss, der so stark ist, dass die Bettwäsche gewechselt werden muss
- bei Phäochromozytomen, seltenen Adrenalin produzierenden Tumoren
- bei Übergewicht
- bei Kreislaufbeschwerden
- bei Schädigung der Nerven, z.B. durch einen Unfall
- bei psychologischen Problemen
Kann ich das Schwitzen beeinflussen?
Sie sollten Schweiss treibende Genußmittel zu meiden. Dazu gehören vor allem Alkohol, Koffein und Nikotin, aber auch sehr scharfe und heisse Speisen. Dieser Verzicht kann das Schwitzen mindern.
Eine Gewichtsabnahme kann ebenso helfen, normalisieren Sie ihr Gewicht und eine weitere Ursache fürs Schwitzen ist beseitigt.
Für die Füße ist sehr wichtig, dass sie luftige Schuhe tragen und diese nach dem Tragen trocknen lassen. Ausserdem müssen sie auf die Hygiene ihrer Füße wie des restlichen Körpers achten. Das heisst: tägliches Duschen, Wechseln von Unterwäsche (zur Not mehrfach am Tag) und Nutzung von Deo - oder Antitranspiranitien ("Anti -Schwitzmittel").
Pudern Sie die Füße regelmässig und achten Sie auf Rötungen und juckende Stellen. Diese können auf Bakterien oder Pilze hinweisen, die umgehend behandelt werden mässen.
Achten Sie darauf, dass sie Unterwäsche aus Baumwolle tragen. Nylon und andere Stoffe fördern die Schweissbildung.
Wie kann starkes Schwitzen behandelt werden?
Schlagen alle genannten Maßnahmen fehl, können wir mit verschiedenen Stoffen und Medikamenten gegen das Schwitzen vorgehen.
Oft von Erfolg gekrönt ist die Therapie mit Aluminiumchlorid. Dies ist der Wirkstoff der meisten Antitranspirantien. In den Mitteln im Drogeriemarkt ist die Konzentration aber auf normales Schwitzen ausgelegt. Bei einer Hyperhidrose wird ein 20 % Lösung nachts dünn auf die schwitzenden Stellen aufgetragen. 2 Wochen lang cremen Sie die Stelle jede Nacht ein. Danach brauchen Sie die Creme nur noch 2-3 mal pro Woche. Ziehen Sie dabei ein altes Hemd an, mit dem sie nicht mehr auf die Strasse wollen, denn Aluminiumchlorid setzt Textilien stark zu. Die Erfolgsrate liegt bei ca 95%. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Jucken und Brennen, welche durch die Zugabe von Glyzerin meist vermieden werden können.
Andere Stoffe zur äusseren Anwendung aus Gerbstoffen, Eichenrindenauszügen Hexamethylentetramin kommen seltener zur Anwendung.
Mit Anticholinerg wirkenden Tabletten lassen sich die Schweissdrüsen ausschalten. Sie wirken an den Nervenfasern, die aber nicht nur das Schwitzen steuern. Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit und Schläfrigkeit.
Eine interessante Methode ist die Iontophorese. Die Füße werden in zwei Wasserbecken gestellt über die ein schwacher Strom durch den Körper geleitet wird. Niemand weiss warum, aber die Neigung zu schwitzen wird bei einigen Menschen hierdurch stark verringert.
Die Therapie muss anfangs 2-3 mal pro Woche ca 20 Minuten in der Arztpraxis absolviert werden. Wenn nach 2 Monaten Erfolge auftreten, bezahlen viele Krankenkassen Mietgeräte für zu Hause.
Leider wirkt die Iontophorese nicht bei allen Menschen, aber auf einen Versuch sollten Sie es ankommen lassen.
Sind all diese Methoden unwirksam, so kann bei lokaler Hyperhidrose eine Botoxbehandlung oder eine Kärettage (= Absaug) Operation oder eine ETS Linderung verschaffen.
Wie funktioniert eine Botoxtherapie gegen Schwitzen?
Das Botulinumtoxin lähmt Muskeln über eine Blockade des Botenstoffes der Nerven, dem Acetylcholin. Dieses ist auch für das Schwitzen verantwortlich. Bei lokaler Hyperhidrose wird nach einer Lokalanästhesie, evtl. durch eine Creme, Botox unter die Haut gespritzt. In einer viel niedrigeren Dosierung, als für die Muskelbehandlung notwendig, lähmt es die Nervenfasern der Schweissdrüsen. Ohne den Befehl zu schwitzen stellen diese die Schweissproduktion ein. Die Behandlung wirkt für 3-12 Monate mit 70 -80 prozentiger Sicherheit. Meist ist auch danach die Schweissproduktion normalisiert.
Private Kassen übernehmen meist die Kosten, gesetzliche nur selten.
Was geschieht bei Kärretage Operationen?
Die Kärettage Operation, wurden ursprünglich nur bei stark Übergewichtigen oder Schönheitsfanatikern zum absaugen von Fettpolstern genutzt. Dabei fiel als Nebeneffekt auf, das die Schweissdrüsen mit entfernt wurden und somit starkes Schwitzen behandelt werden konnte.
Bei der Hyperhidrosis OP werden die Drüsen unter den Achseln nach einem kleinen Hautschnitt samt Fettgewebe entfernt.
Leider werden nicht alle Drüsen entfernt, einige wachsen nach. Trotzdem ist das Ergebnis meist zufriedenstellend, bei wenigen Nebenwirkungen wie Wundheilungsstörungen, lokalen Nekrosen, vermindertem Haarwuchs.
Was ist die ETS?
Eine endoskopische transthorakale Sympathektomie ist der invasivste Eingriff, der gegen starkes Schwitzen gemacht werden kann. Risiken müssen gut gegen Erfolge abgewägt werden. ETS bedeutet, dass in Schlüssellochtechnik durch den Brustkorb die Nervenfasern des Sympathikus, welche für das Schwitzen z.B. einer Hand zuständig sind, zerstört werden.
Risiken bei dieser Behandlung sind Verletzung des Lungenfells (Pneumothorax), von Nervenstationen (Horner Syndrom) und das reaktive übermäßige Schwitzen von anderen Körperregionen. Für die Behandlung von Fußschweiß kommen noch andere Risiken, wie Impotenz dazu.
Trotzdem kann die Operation von einem fähigen Operateur ausgeführt gute Erfolge bringen.
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