Hautarzt Dr. med. C. Gündogan - Kronberg im Taunus Tel. 0 61 73 - 95 29 33



Neurodermitis


Die Neurodermitis oder das atopische Ekzem, zwei Ausdrücke für die selbe Krankheit, ist in den westlichen Nationen auf dem Vormarsch. Da sie vererbt wird, werden immer mehr Menschen vom Juckreiz geplagt und haben mit Ausschlag und Ekzemen zu tun. Wir erklären hier kurz, was die Neurodermitis ist, woher der Name stammt, was bei einer Neurodermitis getan werde kann, um Schüben zuvor zu kommen und welche Behandlungen bei Neurodermitis zur Verfügung stehen.



Was ist ein atopisches Ekzem/ die Neurodermitis?


Ein atopisches Ekzem ist ein Hautausschlag, der meist seit der Kindheit durch äussere Reize ausgelöst wird. Der Milchschorf von Babies gilt als harmlose Frühform, die meist bis zum 2ten Lebensjahr abklingt. Er führt nicht immer zur Erkrankung.

Seit dem 19ten Jahrhundert hat sich die Zahl der Neurodermitiker in den Industrieländern versechsfacht. Wahrscheinlich weil sich die Lebensführung und die Hygiene stark gewandelt haben.

Der Name Neurodermitis, der auf ein Nervenleiden hindeutet (griech. Neuron = der Nerv), lässt erahnen, dass die Ursache der Krankheit in früheren Jahrhunderten unbekannt war. Klar ist heute, dass die Nerven nichts mit der Neurodermitis zu tun haben. Trotzdem ist der Begriff fest im Volksmund verwurzelt. Atopische Dermatitis klingt vielleicht zu unhandlich. Was der Neurodermitis zu Grunde liegt wurde bis heute nicht sicher geklärt.

In Europa sind zu Zeit ca 5-20 % der Kinder und 1-3% der Erwachsenen erkrankt. Das zeigt, dass  die Krankheit häufig auftritt, aber meist zur Pubertät verschwindet. Therapeutisch ist dies nicht zu erklären. Man vermutet, dass durch Genfehler veränderte Zellen für die Krankheit verantwortlich sind und mit der Zeit inaktiv werden.

Erwachsene, die an einer Atopie leiden, wozu auch Heuschnupfen und andere Allergien gehören, vererben diese mit je 30 prozentiger Wahrscheinlichkeit auf ihre Kinder. Bei zwei erkrankten Elternteilen ist die chance 70%, dass sich ein Kind infiziert.

Die Ausschläge treten meist an der Beugeseite der Arme, in den Kniekehlen, so wie an Kopf und Hals auf. Nachts wird das Jucken als am schlimmsten empfunden. Der Stress durch Schlafentzug und Kratzen kann hier zu einem Teufelskreis führen, den es zu durchbrechen gilt.



Durch was wird die Neurodermitis ausgelöst?


Anfällige Patienten haben von Geburt an einen schlechteren Hautschutz. Sie  bekommen z.B. schneller als andere Sonnenbrände und leiden oft an trockener Haut. Die Ekzeme werden durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst, dazu gehören im Groben

  • Hautirritationen, z.B. durch häufiges Waschen mit reizenden Seifen oder verschwitze Haut, an der die Kleidung reibt

  • (Pseudo-) Allergene  in der Nahrung oder in der Luft, Allergien gehen oft mit atopischen Ekzemen einher
  • Bakterien, z.B. kann ein grippaler Infekt einen Neurodermitisschub begünstigen
  • psychische Auslöser wie Stress und Depressionen
  • hormonelle Schwankungen
  • andere Auslöser die auch zu toxischen Ekzemen führen können


Was kann ich zur Heilung meiner Neurodermitis tun?


Es gibt einige Möglichkeiten einem Neurodermitisschub zuvor zu kommen und die Beschwerden in der akuten Phase zu mildern.


  • Der wichtigste Rat: Merken sie sich, was ihrer Haut gut tut und was ihr schadet, keiner kennt sie so gut, wie sie selbst.
  • Halten Sie in der Schwangerschaft, der Stillzeit und dem ersten Jahr einige Regeln ein, die das Risiko ihres Kinders verringern. Zum Beispiel Stillen für mindestens 3 besser 6 Monate und die schrittweise Einführung von Beikost. Wir beraten Sie gerne, wenn sie den Wunsch nach Kindern verspüren.
  • Richten Sie ihre Wohnung so ein, das Milben und Pollen keinen Platz haben. Verzichten Sie möglichst auf dicke Teppiche und Vorhänge, legen Sie sich Hausstaubarme Matrazen und Bettwäsche zu, verbannen Sie blühende Pflanzen aus ihrer Wohnung. Sorgen Sie dafür, dass ihre Wohnung stets gut gelüftet und kühl ist.
  • Lernen sie ein Entspannungsverfahren wie zum Beispiel Yoga, Pilates, Qui - Gong oder Autogenes Training. Es gibt eine Fälle von Systemen, unter denen Sie sich etwas passenden Aussuchen können. Wenn das nichts für Sie ist, tut es auch ein Hobby, bei dem Sie sich wohl fühlen und abschalten können.
  • Pflegen sie ihre Haut täglich mit rückfettenden Feuchtigkeit spendenden Cremes, z.B. mit Harnstoff (Urea) oder Glyzerin.
  • Nehmen Sie nur die halbe Dosis Waschmittel und verzichten Sie auf Weichspüler, Essig und Wäschetrockner erfüllen den selben Zweck. Bügeln Sie ihre Kleidung und waschen Sie sie vor dem ersten Tragen am besten zweimal.
  • Wenn Sie einen Beruf haben, in dem der Kontakt zu Haut reizenden Stoffen zwingend erforderlich ist wie z.B. KFZ Mechaniker, Friseur, Putzdienst u.a. schützen Sie ihre Haut durch Handschuhe.
  • Verzichten Sie auf Schafwolle und synthetische Stoffe auf der Haut. Tragen Sie statt dessen besser Baumwolle, Leinen oder Seide.
  • Halten Sie ihre Fingernägel kurz, um Schäden bei eventuellem Kratzen zu verringern
  • Rauchen Sie nicht
  •  Einige Orte wie z.B. die Nordsee, Davos und das Tote Meer haben ein Klima, das sich positiv auf die Neurodermitis auswirkt. Planen Sie doch mal einen Urlaub dort
  • Verzichten Sie auf Haustiere


Welche Therapien sind bei Neurodermitis möglich?


Da die Ursache noch im Dunkeln liegt, können bis heute nur die Symptome der Neurodermitis, wie Juckreiz, Hautausschlag und Rötung kontrolliert werden.

 Im akuten Schub  ist Cortison das Mittel der Wahl, da es die Stoffe hemmt, die für diese Symptome verantwortlich sind. Langfristig wird es nicht angewandt, da es die Haut ausdünnt.

Trotzdem brauchen Sie keine Angst vor Cortison zu haben, das wenige Cortison, das in ihren Körper gelangt wird innerhalb von fünf Minuten von der Leber abgebaut.

Andere Mittel sind Bufexamac gegen die Entzündung und Polidocanol gegen den Juckreiz, auch Teerpräparate und gerbstoffhaltige Salben kommen zum Einsatz.

Was bei Ihnen hilft kann nicht vorhergesagt werden. Wie jeder Neurodermitiker andere Auslöser und etwas andere Symptome hat, so wirken auch die Medikamente bei einem mehr, beim anderen weniger.

Neu ist der Einsatz von Immunmodulatoren, die Schübe vermindern sollen. Da das Abwehrsystem für die Krankheit mitverantwortlich ist, soll es durch die Immuntherapie, z.B. mit Tacrolimus und Cyclosporin A gehemmt werden.

Antihistamintabletten hemmen den Juckreiz. Dabei kann man die einschläfernde Wirkung älterer Präparate nutzen, wenn das Jucken den Schlaf raubt.

Lokal werden auch UV Therapien und bei Infektionen mit Bakterien Antibiotika verschrieben.



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